Erste urkundliche Erwähnung im Jahr 898

 

Die Entstehung unseres Heimatortes liegt im Dunkel der Geschichte. Durch Bodenfunde in jüngerer Zeit kann jedoch davon ausgegangen werden, dass bereits vor ca. 7.1n 00 Jahre unsere hiesige Gegend durch die “Bandkeramiker” besiedelt war. Der eigentliche Ort scheint in der Römerzeit angelegt worden zu sein. Holzweiler liegt exakt im Kreuzungspunkt von drei Römerstraßen. Der Straße Köln - Roermond, Köln - Xanten und Jülich - Xanten. Auch der Fund eines alten römischen Weihesteins auf dem Holzweilermarkt zeugt von einer Römischen Villa, einer sogenannten VILLA RUSTIKA an dieser Stelle. Diese bekannten Tatsachen lassen den Schluß zu, das der Ort Holzweiler durch die Römer entstanden ist, die an den wichtigen Kreuzungspunkten ihrer Heerstraße auch Handelsplätze anlegten um die umherziehenden Heere und Kohorten zu versorgen. So könnte auch der Ort entstanden sein. Mit einer Nord - Südlage, die sich später zum heutigen Haufendorf entwickelt hat.

  

Weihestein

Weihestein Skizze

 

Am 04. Juni 898 tritt Holzweiler in das helle Licht der Geschichte.                                                   

König Zwentibold, Herrscher in Lothringen, Sohn Kaiser Arnulfs im Karolinischen Reich, schenkt dem Essener Damenstift “Astnide” neben einigen anderen Gemeinden auch die Pfarre Holzweiler das damalige “HOLTUUILARE” mit dem Besitz und allen Pfründen. Diese Schenkungsurkunde vom 04. Juni 898 ist der Beweis für diesen Eintritt des Ortes in die Geschichte, die im Laufe der Jahrhunderte recht wechselvoll gewesen ist. Von Rom eingesetzte Pfarrherren und die Essener Äbtissin sind sich nicht immer einig in der Führung der Gemeinde. Der erste feststellbare Pfarrherr in Holzweiler ist Pelegrimus, der dieses Amt bis zu seinem Tode im Jahre 1315 ausübte.

 

Stifungsurkunde

 

 

Die Urkunde von 898

Von den erhaltenen Urkunden ist für einen Ort meist diejenige die bedeutsamste, die zum ersten mal den Ortsnahmen enthält. Diese Urkunde ist daher von besonderer Bedeutung und für die Geschichtsforschung des Dorfes von hohem Wert. Es ist deshalb wohl angebracht auf den Inhalt der Urkunde näher einzugehen.

 

 Originaltext der Urkunde von König Zwentibold vom 04.  Juni 898 

In nomine sanctae et indiuiduae trinitatis.  Zuentebolchus misericordia die rex. Si ecclesias christi uarie honoramus credimus hoc ad honorem nobis presentialiter nec non et ad futurum animae nostrae pertinere remedium. Ideoque nouerit fidelium nostrorum presentium et futurorum prudentia. Qualiter dilectissima coniunx nostra Oota. Nec non et unerabilis comes otto. Nostram adierunt clementiam. Ut cuidam uenerabili coenobio. Astnide uocato. Quod est constructum in honore beate die genitricis mariae. Et sancti saluatoris. Nac non et beatorum martirrum  et cosmae et damiani. Cetrorumque innumerabilium sanctorum. Quo sanctimonialis femina nomine vuisburc. Famulabus inibus deo seruientibus. Preesse uidetur. Quasdam res proprietatis nostrae concederemus in proprium. 

Quibus nos petentibus. Aurem pietatis nostrae accommodantes. Antenominato coenobio uelet postulauerent donauimus.

Quod est in pago coloniensi in uilla. Hohingesdorp. Et in colonia ciuitate. Et selstene. Et guntherisdorp. Et in pago aregueue, in uilla pisshunem. Inter totum hobam salicam et ecclesiam et XI. Mansos seruiles. Nec non et in pago cuzzihgeuue. Et in coloniensi. In uillis kirihdorp. Ciuirha. Mannunhem. Cuttide. Rudesdorp. Cloulo hobam salicam cum aliis XII. Et ecclesia. Et in pago magnensi in uilla pruteca. Terra arabilis cum curtile et uineis. In pago uero muolla et inlihgeuue. In uillis holtuuilare. Brismike. Curnilo. Hustine. Buhslar. Furtmala. Hoba salica et alias XX. Et in pago. In ascuuerid hoba I. Quocirka presens auctoritatis nostrae preceptum fieri iussimus. Per quod firmiter statuimus ut prenominatrae res cum omnibus sibi iuste conherentibus terris. Ecclesiis. Uineis. Mancipiis. Siluis. Aquis. Aquaeumque cursibus. Molendinis. Piscationibus. Quesitis et inquirendis. Ad prememoratum coenobium perpetualiter pertineant. Nulla ulterius inquietante persona. Quod ut firmiori tradatur auctoritati. Ipsi hoc subtus roborantes firmauimus. Annaloque nostro insigniri iussimus.

Signum domni Zwentebolchi glorosissimi regis.    Uualtgerus notarius ad uicem rtpoti archiepiscopie archique cancellarii recognoui et s.    Data. II. non iunii. Anno incarnatius domini. DCCC.XC.VIII. Indoctione. I. Anno uero regis piisimi Tuentibolchi. III. Actum ipso in monasterio sacrosancto die pentecoste. Astnide nuncopato. In die nomine feliciter

amen.

 

Übersetzung der Urkunde von 898 aus dem Lateinischen ins Deutsche:

Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit. Zwentibold, durch Gottes Gnaden König. Wenn wir die Kirche Christi mannigfaltig auszeichnen, glauben wir, daßssdie nicht nur gegenwärtig zu unserer Ehre, sondern auch dem zukünftigen Heil unserer Seele dient. Daher soll es zur Kenntnis aller unserer Getreuen, sowohl der jetzt lebenden wie auch der zukünftigen, gelangen, dass unsere liebe Gattin Oda sowie auch der ehrwürdige Graf Otto unsere Milde angerufen haben, dass wir einem gewissen ehrwürdigem Kloster, mit dem Namen Astnide bezeichnet, welches errichtet worden ist zur Ehre der seligen Gottesmutter Maria und des heiligen Erlösers, sowie zu Ehre der seligen Märtyrer Cosmas und Damianus und anderer unzähligen Heiligen, wo eine geistliche Frau namens Wigburg den dort Gott dienenden Mägden als Äbtissin vorsteht, gewisse, uns zugehörige Güter zu Eigentum übertragen. In dem wir diesen Fürbitten unser gnädiges Ohr zugeneigt haben, haben wir dem vorgenannten Kloster, gemäß den Ansuchen, als Geschenk übertragen.

Ein Gut im Dorf Hohingesdorp im Kölngau, die Güter Selstena und Guntherisdorp in der Stadt Köln, eine Königshufe, die Kirche und 11 hofesanhörige Mansen im Dorf Pissenheim im Ahrgau, je eine Königshufe mit anderen 12 diensthörigen Mansen in den Dörfern Kirdorf, Zieverich, Manheim, Küzzede, Desdorf und Gleuel im Künzig und Kölngau. Im Dorf Bruttig das Ackerland mit der Hofesstätte und den Weinbergen im Mayengau. Ferner im Mühl- und Jülichgau in den Dörfern Holzweiler, Borschemich Niederzier, Kleinbouslar, Mülforth, je eine Königshufe und 20 andere Mansen.

Deshalb haben wir den Befehl erteilt, gegenwärtiges Dokument unserer Willensmeinung anzufertigen, wodurch wir ernstlich verordnen, daß vorgenannten Güterkomplexe mit allen rechtlich dazugehörenden Ländereien, Kirchen, Weinbergen, Dienstleuten, Wäldern, Wasserläufen, Mühlen, Fischteichen in das Eigentum des vorgenannten Klosters übergehen sollen.

Damit diesem Akt beständige Rechtskraft beigemessen wird, haben wir die Urkunde unten durch Abdruck unseres Ringes bekräftigt und bestätigt.

Zeichen des Herren Zwentibold, des ruhmreichsten Königs und des Notars Waltgerus. Gegeben am 2. Tag der Nonen des Juni, im Jahre der Menschwerdung DCCCXVIII, in der ersten Indiktion, im vierten Jahr der Regierung des gerechten Königs Zwentibold. So geschehen im heiligen Kloster selbst, Astnide genannt, am Pfingsttag. Segen im Namen Gottes,

Amen.